Gedankentanz #19: Auch das Tief gehört dazu

Was wäre,

wenn Glück nicht bedeutet,

immer leicht aufzustehen?

 

Was wäre, 

wenn ein erfüllter Job

nicht davor schützt,

manchmal keinen Sinn zu spüren?

 

Was wäre,

wenn ein schönes Zuhause

kein Garant dafür ist,

dass sich das Herz jeden Morgen weit anfühlt?

 

Wir haben gelernt,

dass Dankbarkeit heisst,

nicht zu zweifeln.

 

Dass Freiheit heisst,

nicht müde zu sein.

 

Dass Erfüllung heisst,

immer motiviert zu bleiben.

 

Aber vielleicht stimmt das nicht.

 

Vielleicht gehört das Tief

genauso zum Traum

wie der Höhenflug.

 

Vielleicht ist es kein Widerspruch,

sondern ein Rhythmus.

 

Ein Tief kann leise sein.

Es macht das Aufstehen schwer.

Es legt Gewicht auf die Gedanken.

Es flüstert: "Heute nicht."

 

Und vielleicht ist genau das

kein Fehler im System.

Sondern eine Einladung.

 

Nicht zur Produktivität.

Sondern eine Pause.

 

Nicht zur Optimierung.

Sondern zum Sein.

 

Was wäre,

wenn wir uns darin üben würden.

nicht jedes Tief sofort zu therapieren,

nicht sofort zu erklären,

nicht sofort zu überwinden?

 

Was wäre, wenn wir lernen dürften,

es auszuhalten?

 

Und vielleicht sogar

für einen Moment

darin zu ruhen?

 

Ein Tief geht vorbei.

Wie ein Wintertag.

Wie eine stille Ebbe.

 

Und manchmal ist es genau diese Ebbe,

die uns wieder Kraft gibt

für die nächste Welle.

 

Vielleicht müssen wir nicht immer stark sein.

Vielleicht dürfen wir auch dann weich sein,

wenn eigentlich alles gut ist.


Reflexionsimpuls


Wo versuchst du gerade, ein Tief zu rechtfertigen,

anstatt es dir einfach zu erlauben?


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